PD Dr. Rainer Haseneder

Ein medizinischer Notfall: Alles muss laufen wie geschmiert. Ärzte und Pflege­personal arbeiten am besten, wenn sie den Ernst­fall vorab trainiert haben. Und zwar gemein­sam. Bisher üben sie noch getrennt. Ein neues Lehr­konzept soll das ändern. Dr. Rainer Haseneder, Anästhesist am Klinikum rechts der Isar, hat dafür den Ernst Otto Fischer-­Lehr­preis 2013 gewonnen. 

Notfälle werden künftig gemeinsam trainiert: Ernst Otto Fischer-Lehrpreis 2013 für Rainer Haseneder (Mitte). (Foto: Andreas Heddergott)
Notfälle werden künftig gemeinsam trainiert: Ernst Otto Fischer-Lehrpreis 2013 für Rainer Haseneder (Mitte).Foto: Andreas Heddergott

Rainer Haseneder (39) will Mediziner und Pflege­kräfte schon während der Aus­bildung zusammen­bringen. Er ist Ober­arzt an der Klinik für Anästhesio­logie und Lehr­verant­wortlicher für Anästhesie und Notfall­medizin. Gemeinsame Trainings gibt es in der Ausbildungs­phase bislang nicht. Doch gerade im Ernst­fall müssen die Beteiligten perfekt zusammen­spielen. Technische Fähig­keiten sind wichtig. Genau so wichtig ist das effektive Zusammen­wirken im Team.

Fehler selten technischer Natur

„Beim Notfall arbeiten verschiedene Professionen zusammen: Ärzte, Pflege­personal, Rettungs­assistenten, OP- und Anästhesie-­technische Assistenten.“ so Haseneder. „Damit ein Patient erfolg­reich behandelt wird, müssen viele Dinge stimmen. Die technische Infra­struktur, das medizinische und das pflegerische Fach­wissen, die manuellen Fertig­keiten.“ In diesen Bereichen gehe selten etwas schief.

Wenn beim Notfall Fehler passieren, dann meistens zwischen den Akteuren. Denn genauso wichtig sind die so­genannten „non-­technical skills“. Wie kommunizieren die Beteiligten mit­einander? Wie werden die Aufgaben verteilt, der Ablauf der Behand­lung geplant, die Ressourcen genutzt? Haseneder: „Es gibt Algo­rithmen für bestimmte Notfälle, zum Beispiel wie eine Wieder­belebung zu funktionieren hat. Diese Abläufe sind allen bekannt.“ Viele wichtige Kleinig­keiten seien aber nicht definiert. Etwa das Verteilen der Auf­gaben durch Zuruf und Rück­meldung zwischen den beteiligten Akteuren.

Notfälle so realistisch wie möglich

„Non-technical skills, die notfall­medizinisch relevant sind, werden bei uns im Medizin­studium bisher höchstens am Rande gelehrt.“ Im von ihm konzi­pierten Kurs iTetriS (Inter­professionelles Team­training im Simulations­zentrum) werden die Not­fälle so realistisch wie möglich nach­gestellt. „Die Teil­nehmer müssen in Stress geraten. Es muss so echt sein wie möglich.“ Die Patienten werden durch hoch­technisierte, programmierte Puppen simuliert. Alles wird gefilmt und danach aus­führlich besprochen. Die Ergebnisse sind oft überraschend, erklärt Rainer Haseneder: „Was die Teilnehmer über ihr Ver­halten lernen, ist zum Teil sehr persönlich. Jeder muss seine Stärken und auch Schwächen kennen­lernen. Und ganz für sich ent­scheiden, was er in Zukunft besser machen kann.“

Der Kurs iTetriS wird ab Sommersemester 2014 im Medizin­studium an der TUM Teil des Praktischen Jahres (PJ).

Text: Verena Meinecke, CCC

  

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