"MOOCs bieten viele neue Ansätze!"

29. Mai 2013

Coursera, edX, Udacity – diese Lernplattformen sorgen bereits seit einiger Zeit weltweit für Furore in der Hochschulwelt. Grund dafür sind die so genannten MOOCs („Massive Open Online Courses“), also Online-Vorlesungen, die von immer mehr Universitäten auf Coursera und Co. angeboten werden – weltweit kostenfrei per Mausklick. Auch die Technische Universität München ist kürzlich eine Kooperation mit Coursera, der Lernplattform der amerikanischen Top-Uni Stanford eingegangen. Was sich die Universität davon verspricht, haben wir Hans Pongratz, Vizepräsident für IT-Systeme & Dienstleistungen, gefragt.

Hans Pongratz, seit 2011 Vizepräsident für IT-Systeme & Dienstleistungen (CIO). Foto: TUM
Hans Pongratz, seit 2011 Vizepräsident für IT-Systeme & Dienstleistungen (CIO)Foto: TUM

Herr Pongratz, MOOCs sind  in aller Munde – was war der Anlass für die TUM, hier auch aktiv zu werden?

Wir sind doch immer gerne ganz vorne mit dabei! Nein, ernsthaft – im Rahmen unseres EuroTech Universities Alliance Zusammenschluss mit der Danmarks Tekniske Universitet (DTU), der Technische Universiteit Eindhoven (TU/e) und dem École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) berieten wir bereits im Oktober 2012 die Möglichkeiten und Chancen von MOOCs. Und auch im Hochschulpräsidium waren wir uns schnell einig, dass wir hier aktiv werden wollen. 

Sind MOOCs nur abgefilmte Vorlesungen oder steckt didaktisch mehr hinter dem Konzept?

MOOCs bieten wirklich neue Ansätze und sind nicht mit bisher bekannten Vorlesungs­aufzeichnungen zu vergleichen. MOOCs bieten je nach Anbieter-Plattform eine Vielzahl an interaktiven Elementen und Kollaborations­möglichkeiten für die Teilnehmer­innen und Teilnehmer. Videosequenzen in einem MOOC sollten pro Lerneinheit kurz gehalten (2-15 min) und mit interaktiven Fragen aufgelockert sein. 

Gibt es schon konkrete Umsetzungspläne?

Ja. Das Hochschulpräsidium hat 250.000 € für die Produktion und Durchführung von fünf MOOCs dieses Jahr beschlossen und bereits Partnerschaftsverträge mit den beiden sehr bekannten und erfolgreichen Plattformen Coursera und edX geschlossen. Aktuell befindet sich der Kurs von Prof. Kleinsteuber zum Thema „Computer Vision“ in Produktion. In den nächsten Wochen werden dann die weiteren TUM-Kurse festgelegt. Es haben sich bereits einige Interessierte Dozentinnen und Dozenten gemeldet – Frau Dr. Rohrer (rohrer@zv.tum.de) sammelt die Anfragen. Sie verwaltet auch eine Mailingliste für MOOC-Interessierte mit allgemeinen Informationen zum Thema.

Egal wo man gerade ist - an einem MOOC kann man überall teilnehmen. (Foto: photocase)
Egal wo man gerade ist - an einem MOOC kann man überall teilnehmen.Foto: photocase

Sollen TUM-Studierende künftig auch die Möglichkeit haben, in den Online-Kursen Prüfungen abzulegen und sich die Punkte anrechnen zu lassen?

Wir denken hier aktuell in mehrere Richtungen. Reine Online-Kurse können allerdings nicht so einfach anerkannt werden. Hier müssen wir die Entwicklungen in den nächsten Monaten abwarten. Es gilt mehrere Herausforderungen zu meistern: Zum Beispiel das Problem der Authentifizierung. Wie kann bei einem reinen online Kurs sichergestellt werden, dass die „richtige“ Person vor dem Computer am MOOC teilnimmt? Und natürlich muss auch die Qualität der Kurse überprüft werden, und, ob die Inhalte zu den jeweiligen Curricula passen. Einfacher ist es mit sog. Blended Learning Ansätzen – hier werden Online-Phasen mit Präsenzphasen kombiniert. Einige Dozierende setzen dieses Modell bereits erfolgreich an der TUM mit unserer zentralen E-Learning-Plattform Moodle ein.

Wieso ist Deutschland in Sachen MOOC’s bislang noch Entwicklungsland?

Ich wäre jetzt nicht zu streng. Im Bereich des E-Learning hat es schon viele Ansätze in den letzten Jahren in Deutschland geben – oft allerdings hauptsächlich IT-getrieben. Durch den aktuellen Hype wollen jetzt auch IT-ferne Dozierende die neuen Technologien einsetzen und die Verbreitung von Breitband-Internetzugängen und mobilen Endgeräten bieten eine perfekte Basis dafür. So langsam springen immer mehr Organisationen und Einrichtungen auf den MOOC-Zug auf und setzen sich aktiv mit der Thematik auseinander. Ich bin wirklich auf die weitere Entwicklung in den nächsten Monaten und Jahren gespannt!

Der Geschäftsführer des Centrums für Hochschulentwicklung Jörg Dräger sprach kürzlich in Bezug auf MOOC’s von einer „Demokratisierung des Lernens“, gar von einer „Revolution“ in der Hochschullehre. Denken Sie, dass offene Onlinekurse die Hochschullehre in Deutschland verändern werden?

Die aktuell startende Diskussion über MOOCs weltweit ist fantastisch, da jetzt auch die Lehre an Hochschulen in der öffentlichen Diskussion in den Vorder­grund rückt. Das Thema E-Learning an sich gibt es ja schon Jahrzehnte, aber nun werden neue Förderprogramme aufgelegt und die breite Öffentlichkeit überlegt sich mal an einem MOOC der TUM teilzunehmen – super! Ob der Hype wirklich nachhaltig ist, sehen wir in ein paar Jahren.

  

Kontakt

TUM Präsidialstab
Arcisstr. 21
80333 München

Dr. Stefanie Rohrer
Tel.: +49.89.289.25529
Fax: +49.89.289.23399
E-Mail: rohrer@zv.tum.de 

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Lesen Sie mehr zum Thema auf unserem Blog: "MOOCs – Einem Phänomen auf der Spur", von Elvira Schulze

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